[07.09.2009,
nn] Ihre auswegslose finanzielle Lage treibt eine französische Studentin in die Prostitution. Laura D. ist eine von mehreren tausend Studentinnen, die diesen Schritt wagen um zu überleben. Ihre Erfahrungen schildert die erst 19Jährige in ihrem Buch „Mein teures Studium.“
In Frankreich sind es rund 40.000 Studentinnen, die ihr Studium mit käuflichem Sex finanzieren. Diese Information gab im Frühjahr 2006 die Studentengewerkschaft SUD heraus. Ihr Ziel ist es, die Aufmerksamkeit der französischen Regierung auf die studentische Lebenswirklichkeit zu lenken. In Ihren Untersuchungen beschreibt die Studentengewerkschaft die schwierigen Existenzbedingungen, unter denen viele Studierenden leiden (wenige und teure Wohnmöglichkeiten, Geldnot am Monatsende, Schwierigkeiten, bezahlte und universitäre Arbeit miteinander zu vereinbaren etc.). Auch in Großbritannien sind die Zahlen erschütternd. In der Studie „Sex Work and Students“ der Kingston University gaben 2006 zehn Prozent der befragten Studenten an, Kommilitoninnen zu kennen, die als Stripteasetänzerin, Masseuse oder Prostituierte arbeiten. Gegenüber 2000 ist das ein Anstieg von 50 Prozent. Für Deutschland liegen noch keine Schätzungen vor. Das deutsche Studentenwerk vermutet aber, dass hierzulande nur wenige Studentinnen den Schritt ins Sex-Geschäft wagen.
In Frankreich ist es leider für viele die einzige Möglichkeit sich ihr Studium zu finanzieren. Die französische Soziologiestudentin Eva Clouet hat festgestellt, dass die Mehrheit der sich prostituierenden Studierenden weiblich ist und dass die Studentinnen es vor allem aus Geldmangel tun und weil ihnen die Zeit für einen ausreichend einträglichen Nebenjob fehlt. Die meisten Eltern der so genannten Mittelschicht, verdienen zu wenig um ihre studierenden Kinder zu unterstützen, aber zu viel, wenn es nach den Bestimmungen für staatliche Hilfen geht. Deshalb müssen sich die Studenten einen Job suchen. Eine andere Lösung gibt es nicht. Der Tagesablauf ist eine organisatorische Höchstleistung. Man geht zu den Vorlesungen, danach zur Arbeit und nach Feierabend braucht man Zeit um zu lernen. Natürlich suchen die Studenten nicht sofort einen Job in der Prostitution. Bis sie dazu kommen, kann es Monate oder einige Semester lang dauern.
„Nicht einmal eine Bohne zu essen, unbezahlte Rechnungen und die ausstehende Miete, nie einen Cent in der Tasche, zum Schwarzfahren gezwungen. Es war ein unerträgliches Leben,“ schreibt Laura D. Das Leben, von dem sie in ihrem Buch berichtet, es spielt in ihrem ersten Jahr als Studentin. Weil ihre Erinnerungen intime Bekenntnisse sind, verschweigt sie ihren Nachnamen. Ihr Ziel ist es die Menschen aufmerksam zu machen, ihnen zu zeigen, wie das Leben als Student sich entwickeln kann. Und das sich an dieser Situation schnell etwas ändern muss! Studieren ist mittlerweile ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann. Wenn man das Buch liest, fesselt es einen regelrecht, man kann es einfach nicht glauben. Ende des Monats hat man kaum noch Geld um den Kühlschrank zu füllen. Es kommt sogar so weit, dass Laura D. kein Geld mehr hat um im Winter die Heizung aufzudrehen. Sie sitzt mit einem dicken Schal, einer Fleecejacke und dicken Socken zu Hause. Sie sagt: „Lieber sehe ich aus wie eine Hochgebirgsforscherin, als 15 Euro für eine Rechnung ausgeben zu müssen.“ Als ihr finanziell das Wasser bis zum Hals steht, wirft sie bei der verzweifelten Suche nach einem lukrativen Job einen Blick auf die Internetseite "über18“ Wenige Tage später trifft sie sich das erste Mal mit einem Freier. Das erste schnell verdiente Geld. „Ich habe noch nie einen 100 Euro Schein gesehen,“ sagt sich Laura D. als sie von ihrem ersten Freier 250 Euro für eine Stunde bekommen hat. Leider bleibt es nicht bei einem Ausrutscher. Die Prostitution ist zur Droge geworden. Das schnell verdiente Geld macht süchtig auf mehr. „Später werde ich ein guter Mensch sein. Im derzeitigen Lebensabschnitt kann ich es mir nicht leisten,“ diesen Satz sagt sich Laura immer wieder.
Dieses Buch soll uns die Augen öffnen und zur Änderung an diese Situation beitragen!
Laura antwortet heute auf keine Annonce mehr. Sie verdient zuletzt 400 Euro pro Abend, doch das war es ihr nicht mehr wert, auch wenn sie der Reiz des schnellen Geldes, nicht ganz losgelassen hat. „Ich weiß, dass ich nicht zurück will, aber ich weiß auch, dass das nicht leicht wird.“
Quelle:
Laura D.
Mein teures Studium
C. Bertelsmann Verlag