[13.08.2009,
kn] Angefangen hatte alles mit einem Studentenprojekt. Mittlerweile spannt sich ein breites Netzwerk zwischen der Türkei und Deutschland. Studenten, Forscher und Experten diskutieren, publizieren und tauschen sich aus. Wir befragten Gründer Daniel Grütjen zu seiner Internetplattform „Netzwerk Türkei“:
STUDENTENPRESSE: Herr Grütjen, wie entstand Ihre Internetplattform „Netzwerk Türkei“?
Daniel Grütjen: Das Netzwerk Türkei ist eine Idee von meinem ehemaligen Kommilitonen Christoph Mielke und mir. Wir sind beide Politologen und haben unsere Diplomarbeiten über türkeispezifische Themen geschrieben. Das Netzwerk Türkei ist aus der Not heraus entstanden, dass es für uns sehr schwer war, Ansprechpartner für unsere Forschungsprojekte zu finden. Die Idee hinter dem Netzwerk Türkei war und ist, junge Akademiker mit Türkeischwerpunkt zusammenzubringen und über Veranstaltungen und Publikationen eine breitere Öffentlichkeit für die Türkei zu interessieren.
STUDENTENPRESSE: Wie empfinden Sie den Dialog zwischen Deutschen und Türken?
Grütjen: Meiner Meinung nach ist viel passiert, auf beiden Seiten. Die Ernst-Reuter-Initiative, die Gründung der Deutsch-Türkischen Universität aber vor allem das steigende Interesse junger Studenten, mit Erasmus in die Türkei bzw. nach Deutschland zu kommen, zeigen, dass das Interesse auf beiden Seiten wächst.
STUDENTENPRESSE: Die öffentliche Diskussion beschränkt sich meist auf den Themenbereich Migration bzw. Integration. Die Konstellation „Deutschland – Türkei“ ist jedoch weitaus komplexer. Welche weiteren Themenschwerpunkte werden auf Ihrer Plattform diskutiert?
Grütjen: Wir versuchen, Menschen zu verbinden, die ein tiefgehendes Interesse an der Türkei haben und die gängige Klischees überwinden wollen. Natürlich forschen viele unserer Mitglieder auch zu eher „populären“ Themenbereichen, wie Migration, Islam und Demokratie oder die Kopftuchdebatte und leisten dabei sehr wichtige Forschungsarbeit. Unsere Mitglieder finden sich auf unserer Homepage zu Gruppen zusammen und können sich somit mit anderen Mitgliedern mit ähnlichen Schwerpunkten austauschen. Die Gruppen reichen zum Beispiel von Arbeit und Soziales, über Stadtforschung zu Linguistik. Des Weiteren haben wir eine Vielzahl von Publikationen zu unterschiedlichsten Themen, wie Gewerkschaften, dem türkischen Parteiensystem oder Sozialpolitik veröffentlicht.
STUDENTENPRESSE: Kann sich jeder in Ihrem Netzwerk anmelden?
Grütjen: Jeder, der Interesse an der Türkei hat und zu unserer Idee beitragen möchte, ist bei uns herzlich willkommen. Wir sind immer offen, wenn es um neue Projekte geht, und helfen gerne mit unserer Erfahrung und Kontakten. Auf unserer Homepage
www.netzwerk-tuerkei.org findet man unter „Mitgliedschaft“ nähere Informationen. Für den monatlichen Newsletter kann man sich unter
netzwerk.tuerkei@gmail.com anmelden.
STUDENTENPRESSE: Was ist das Ziel Ihres Netzwerkes?
Grütjen: Unser Ziel ist, Menschen mit Interesse an der Türkei zu verbinden und eine öffentliche Diskussion zu türkeispezifischen Themen jenseits der gängigen Vorurteile anzustoßen.
STUDENTENPRESSE: Wie ist die Resonanz auf Ihr Projekt?
Grütjen: Am Anfang hatten wir es sehr schwer, neue Mitglieder zu gewinnen und interessierten Menschen unsere Idee verständlich zu machen. Nachdem wir etwas Ausdauer bewiesen hatten, änderte sich dies sehr schnell. Mittlerweile werden wir ernst genommen und finden sehr viel Zuspruch und Unterstützung.
STUDENTENPRESSE: Sie starteten als Studenteninitiative. Wo steht das Projekt heute?
Grütjen: Wir haben über 60 internationale Mitglieder, haben eine Vielzahl von Veranstaltungen in Deutschland, der Türkei und in Großbritannien organisiert und eine Reihe von Veröffentlichungen publiziert. Wir sehen unsere Stärke in unserer nichthierarchischen Struktur. Es gibt einen harten Kern, der das Netzwerk in den verschiedenen Ländern zusammenhält und wenn ein Mitglied mit einer Projektidee kommt, tun wir unser Bestes, diese zu realisieren.
STUDENTENPRESSE: Was planen Sie für die Zukunft? Stehen neue Projekte an?
Grütjen: Unsere Berliner Mitglieder Karin Kutter und Alexander Balistreri haben gerade eine große Veranstaltung in der Humboldt-Universität zu dem Thema „Neue Armut am Beispiel von Berlin und Istanbul. Ausschnitte urbaner Wirklichkeit“ organisiert. Nach der Sommerpause wird ebenfalls in Berlin wieder unser monatlicher „Jour Fixe“ stattfinden. In London planen unsere Mitglieder Marc Herzog und Shane Brennan eine Konferenz und ich persönlich bereite, zugegeben seit ein paar Monaten, eine Diskussionsrunde zum Istanbuler sozialen Brennpunkt Tarlabaþý vor. Ich verspreche aber hoch und heilig, dass wir Letztere realisieren werden!
www.netzwerk-tuerkei.org