[02.04.2009,
kn] Mit der Bologna-Reform kam nicht nur die kürzere Studiendauer und reformierte Studieninhalte, sondern auch neue, zumeist englische Abschluss-Bezeichnungen. „Bachelor“ und „Master“ heißen die „Neuen“. Aber auch unter diesen gibt es zahlreiche Ausgestaltungen und Unterschiede, die vielleicht noch nicht jedem gebräuchlich sind. Deshalb haben wir für euch ein kleines Abschluss-ABC zusammengestellt:
Der Bachelor
Der Bachelor ist der erste berufsqualifizierende Hochschulabschluss im zweistufigen Studiensystem. Er gilt nun als Regelabschluss. Der Begriff „Bachelor“ entstammt dem lateinischen „Baccalaureus“ und bezeichnete schon im Mittelalter den untersten akademischen Grad einer Lehranstalt. In den USA und in Großbritannien ist der Bachelor schon lange nichts Neues mehr und bezeichnet seit jeher die erste akademische Qualifikation. Beim ersten, sogenannten „undergraduate“ Abschluss, spielt es keine Rolle, ob der Bachelor an einer Fachhoschschule oder einer Universität erworben wird. Zusätze, wie etwa „FH“, wie es bei Diplom-Studiengängen üblich war, sind nicht mehr zulässig. Hinweise auf Art der Hochschule sowie genauer Studiengang und Schwerpunkte werden nun im „Diploma Supplement“ festgehalten. Dieses soll als ergänzende Information, international und auch national, die Bewertung und Einstufung von akademischen Abschlüssen sowohl für Studien- als auch für Berufszwecke erleichtern und verbessern.
Bachelor of Arts (B.A.)
Der Bachelor of Arts ist ein häufig angestrebter Abschluss. Hier wird man aber nicht nur Künstler. Unter diesem Abschluss sind mehrere Studiengänge zusammengefasst. So darf man sich als Bachelor of Arts bezeichnen, wenn man etwa Kunstwissenschaften, Sprach- und Kulturwissenschaften, Sport und Sportwissenschaften, aber auch Sozialwissenschaften studiert hat. Zudem kann ein Studium der Wirtschaftswissenschaften zum Bachelor of Arts führen. Hier kommt es maßgeblich auf die ihnhaltliche Ausgestaltung des Studiums an, die dann darüber entscheidet, ob man mit einem Bachelor of Arts oder einem Bachelor of Science abschließt. Auch wer Erziehungswissenschaften studiert, wird sich bald Bachelor of Arts nennen dürfen. Ist der Studiengang allerdings Bestandteil eines Lehramtstudiums, qualifiziert man sich als Bachelor of Education. Einige Hochschulen verwenden in diesem Zusammenhang auch die deutsche Bezeichnung Bakkalaureus Artium.
Bachelor of Science (B.Sc.)
Der klassische Wissenschaftler? Nicht unbedingt! Wer sich am Ende seines Studiums Bachelor of Science nennen darf, hat meistens ein Fach studiert, das den Naturwissenschaften zugehörig ist. Mathematik, Physik und Informatik, Psychologie, Ernährungswissenschaften, Agrar- und Forstwissenschaften – all diese Studiengänge haben den Bachelor of Science zur Folge. Aber auch das Medizin-Studium kann mit diesem Abschluss enden, allerdings nur, wenn es sich nicht um ein staatlich geregeltes Studium handelt. Ebenfalls Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaftler können sich unter Umständen Bachelor of Science nennen. Hier entscheidet die inhaltliche Ausgestaltung der Studiengänge, ob es sich, im ersten Fall doch um einen Bachelor of Engineering, oder im zweiten Fall um einen Bachelor of Arts handelt.
Bachelor of Engineering (B.Eng.)
Ja, ja, der „Dipl.-Ing.“ – weltbekannt und geschätzt müssen wir uns leider von ihm verabschieden. Sein Nachfolger ist der Bachelor of Engineering. Vergeben wird dieser Abschluss bei technischen Studiengängen und solchen der Ingenieurswissenschaften, wie beispielsweise beim Machinenbau- oder Elektrotechnik-Studium. Ganz geeinigt hat man sich jedoch noch nicht. So ist es durchaus üblich, dass im genannten Bereich, Fachhochschulen den Bachelor of Engineering und Technische Universitäten den Bachelor of Science vergeben. Wie immer, kommt es jedoch in erster Linie auf die inhaltliche Ausgestaltung des entsprechenden Studiums an.
Bachelor of Laws (LL.B.)
Im Bereich der Rechtswissenschaften ist die Akzeptanz des neuen Abschlusses getrübt von hitzigen Diskussionen. Richter, Staats- und Rechtsanwälte leisten heftigen Widerstand gegen die Einführung des Bachelor of Laws. Dieser ist nämlich nicht mehr mit der klassischen rechtswissenschaftlichen Ausbildung des ersten und zweiten Staatsexamens vergleichbar. Diese traditionellen Abschlüsse bereiten Studenten strikt auf den Einsatz als Richter oder Staatsanwalt vor, obwohl nur etwa 4 % aller Absolventen später auch im Staatsdienst tätig werden. Dies ist der Grund, warum die Wirtschaft vehement auf die Einführung des Bachelor of Laws pocht. Trotzdem bieten schon einige Hochschulen Studiengänge mit de neuen Abschluss an. Insgesamt wird der Fokus dabei verstärkt auch auf die ökonomische Ausbildung gelegt, so dass die Studiengänge häufig als Wirtschaftsrecht bezeichnet werden.
Bachelor of Education (B.Ed.)
Wie beim Bachelor of Law gab es auch im Falle des Bachelor of Education zahlreiche Diskussionen rund um die Einführung des neuen Abschlusses. Man argumentierte, dass ein nur sechs Semester kurzer Studiengang keine ausreichende Befähigung zur Ausübung eines Lehramtes liefern könne. Diesem Argument gab man nach. Unterrichten darf ein Absolvent, der „nur“ einen Bachelor of Education hat deshalb (noch) nicht. Um an Schulen zu lehren, muss ein Absolvent deshalb zudem den Master of Education absolvieren. Ansonsten kann er eine Tätigkeit als „Lernassistenz“ ausüben. Hier darf kein selbständiger Unterricht gehalten werden. Denkbar ist zum Beispiel die Förderung lernschwacher oder hochbegabter Schüler. Doch dieses neue System hat Tücken, da mittlerweile ein Großteil aller Master-Studiengänge zulassungsbeschränkt sind und somit der Zugang zur Lehrtätigkeit nicht uneingeschränkt offen steht. Dazu heißt es, man wolle sich bemühen, erleichterte Bedingungen für Absolventen des Bachelor of Education zu schaffen, so dass diese ein entsprechendes Master-Studium aufnehmen können.
Bachelor of Fine Arts (B.F.A.)
Der Bachelor of Fine Arts ist der allgemeine Abschluss für Studiengänge im Bereich der Freien Künste. So studierten diese Absolventen zuvor meist Kunstgeschichte, zeitgenössische Kunst, Kunst- und Kulturtheorie. Neben den theoretischen Aspekten des Studiums besteht ein wesentlicher Teil zudem aus der praktischen Ausarbeitung von Kunstgegenständen. Das Ziel des Bachelor of Fine Arts besteht darin, den Studierenden künstlerische, aber auch wissenschaftliche Kompetenzen sowie auch transdisziplinäre Bereiche zu vermitteln.
Bachelor of Music (B.Mus.)
Der Bachelor of Music ist insbesondere von der individuellen Eignung und den Gegebenheiten der Studierenden geprägt. So bietet dieser Abschluss eine künstlerische Ausbildung in verschiedenen Studienrichtungen und Studiensegmenten. Wer im Vorfeld die Eignungsprüfung bestanden hat, darf sich auf eine individuelle und optimale Förderung freuen. Neben den festen Hauptfächern kann der Student zahlreiche Module selbst wählen und somit seinen eigenen Schwerpunkt setzen. Die Berufsziele der Absolventen sind bunt gefächert: Vom praktizierenden Musiker im Orchester oder Ensemble, über Sänger im Musiktheater oder einer Oper, bis hin zum klassischen Musikwissenschaftler, der sich vor allem mit Forschungsaufgaben rund um die Musik und deren kulturellen und gesellschaftlichen Einflüssen beschäftigt. Aber auch Musik- und Konzertkritiker können aus einem Bachelor of Music hervorgehen.
Der Master
Der Master ist berufsqualifizierend und berechtigt zur Promotion. Dieser „graduate“ Abschluss ist insbesondere akademisch ausgelegt und dauert zwischen einem und zwei Jahren. Dabei kann der Master konsekutiv, also direkt auf dem entsprechenden und fächerspezifischen Bachelor aufbauend, oder nicht-konsekutiv sein. In diesem Fall schließt der Master an einen beliebigen Studiengang an, auch an ein Diplom oder Magister. Insgesamt ist der Master jedoch weniger breit angelegt als ein Diplom- oder Magister-Studium und soll Bachelor-Absolventen zu einer Spezialisierung ihres Fachs verhelfen. Aber Vorsicht: Ein Bachelor-Abschluss befähigt nicht automatisch zum Master-Studium. Aktuell stehen nicht ausreichend Master-Plätze zur Verfügung, so dass Auswahlverfahren Standard sind. Eben dies wird von zahlreichen Studenten kritisiert, da sie darin eine Diskriminierung des Rechtes eines jeden auf Bildung sehen.
Die Master-Abschlüsse ergeben sich aus den entsprechenden Bachelor-Abschlüssen. So ergibt sich der
Master of Arts (M.A.) entsprechend aus der Bezeichnung des Bachelor of Arts (B.A.), der
Master of Science (M.Sc.) aus dem Bachelor of Science (B.Sc.) usw.. Neben konsekutiven und nicht-konsekutiven Master-Programmen existieren zudem weiterbildende Master-Programme. Diese ähneln generell den nicht-konsekutiven Studiengängen, setzen jedoch erste berufsqualifizierende Erfahrungen voraus. Der bekannteste weiterbildende Master dürfte der
MBA – Master of Business Administration sein. Als postgraduales Studium vermittelt er Studierenden fundierte Kenntnisse sowie Kompetenzen im betriebswirtschaftlichen Bereich. Dabei ist die primäre Zielgruppe solcher MBA-Programme jedoch keineswegs der klassische BWLer. Im Gegenteil, insbesondere betriebswirtschaftlich fernen Interessierten, ob Geistes- oder Naturwissenschaftler, Ingenieur oder Arzt, soll der MBA, praxisnah und wissenschaftlich fundiert, entsprechende Fähigkeiten vermitteln, die in Führungspositionen verlangt werden. Leider sind MBA-Programme in der Regel mit sehr hohen Kosten verbunden. Einige sehen diese jedoch als sinnvolle Investition in ihrer berufliche Zukunft und Karriere. Aber Vorsicht: Nicht überall wo MBA drauf steht ist auch MBA drin! Deshalb solltet ihr unbedingt darauf achten, dass das entsprechende Programm von einer anerkannten Akkreditierungsagentur geprüft und zertifiziert ist.
Neben dem MBA existieren jedoch noch andere nicht-konsekutive weiterbildende Master-Programme. Diese werden meist im Rahmen internationaler Kooperationen vergeben. Beispiele sind der
Master of Computer Science (Fern-Universität Hagen),
Master of Business Marketing (Freie Universität Berlin) oder auch der
Master of Library and Information Science (Fachhochschule Köln). Außerdem besteht natürlich die Möglichkeit seinen Master im Ausland zu absolvieren.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass die neuen Abschlüsse inhaltlich nur bedingt mit den alten vergleichbar bleiben. Durch die Kürzung der Studienzeit wurde leider allzu oft versucht, 8-semestrige Diplom-Studiengänge in viel kürzere 6-semestrige Bachelor-Studiengange zu überführen. Nicht ohne Qualitätseinbußen. Auf vielen Studenten lastet dadurch ein enormer Zeit- und Leistungsdruck. Die Umstrukturierungen im Rahmen der Bologna-Reform waren vielleicht gut gemeint, aber leider meist nicht ausreichend durchdacht!