[12.03.2009,
kn] Bei einer Studie der Universität Bremen zu den Dualen Ausbildungssystemen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Dänemark schneidet Deutschland schlecht ab. Das Duale Ausbildungsystem der Bundesrepublik muss dringend reformiert werden, lautet das zentrale Ergebnis der vergleichenden Untersuchung, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde. Das Ziel der Studie lag in der Untersuchung der Steuerungsqualität der Systeme und in der Frage, wie die vier Länder auf dem Weg zu einer europäischen Berufsbildungsarchitektur die Stärken ihrer Systeme zur Geltung bringen können.
„Die Ergebnisse sind selbst für die Fachwelt in Deutschland überrraschend“, kommentiert Prof. Dr. Felix Rauner, Leiter der Forschungsgruppe Berufsbildungsforschung. Dennoch, betrachtet man die Struktur des deutschen Berufsbildungssystems näher, wird vor allem im internationalen Vergleich klar, dass Reformierungsbedarf besteht.
Das deutsche Berufsbildungssystem ist, aufgrund des föderalistischen Staatsaufbaus und der Einbindung organisierter gesellschaftlicher Interessen in die politische Entscheidungsfindung sehr komplex und ausdifferenziert. Dadurch ist die Steuerung der beruflichen Bildung entsprechend stark fragmentiert. Die Alleinzuständigkeit der Länder wird durch die Zuständigkeiten des Bundes im Bereich des Wirtschafts- und Arbeitsrechts überlagert. Die Folge ist, dass die beiden Lernorte innerhalb der Dualen Berufsbildung unterschiedlichen Regelungsbereichen zugeordnet sind. Das große Problem dabei ist vor allem die mangelhafte Abstimmung dieser sowie die insgesamt unbefriedigende Stellung der Berufsschule. An dieser Stelle schlägt Johannes Meier, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, vor, von der Schweiz zu lernen. Dieser fordert zur Realisierung einer koordinierten Balance zwischen den verschiedenen Politikbereichen entsprechende Berufsbildungsämter auf Bundes- und Landesebene, in welchen die Steuerungs-, Unterstützungs- und Verwaltungsfunktionen gebündelt würden. Zudem empfiehlt Rauner vor allem einheitliche gesetzliche Rahmenbedingungen und die Umsetzung einer Innovationsstrategie für die berufliche Bildung.
Außerdem bemängelt Meier: „Der Nationale Bildungsbericht macht deutlich, dass der Übergang von der Schule in den Beruf für viele Jugendliche zu einer beinahe unüberwindbaren Hürde geworden ist.“ Dieser Zustand sei aus sozialen und ökonomischen Gründen nicht hinnehmbar. In der Tat sind deutsche Auszubildende im Durchschnitt drei Jahre älter als ihre österreichische Kollegen. „Dieses hausgemachte Problem ließe sich lösen, wenn Deutschland von unseren Nachbarn lernen würde, wie man einen nahtlosen Übergang von der Schule in die Berufsausbildung schafft“, ist Rauner überzeugt.
Weiterhin fordern die Verantwortlichen der Studie, bezüglich der Entwicklung der Dualen Berufsausbildung, eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den europäischen Ländern. Denn „der Dreh- und Angelpunkt einer nachhaltigen Berufsbildungsreform ist nach dieser Studie eine Steuerung der beruflichen Bildung aus einer Hand und eine Stärkung der Gestaltungsspielräume bei der Organisation der beruflichen Bildung vor Ort“, erklärt Rauner.
Abschließend betont Rauner jedoch, Reformen hätten in der beruflichen Bildung jedoch nur dann eine Chance, wenn sie auch von möglichst vielen Beteiligten getragen würden.