[05.03.2008,
ko] Eizellen mit den Genen einer attraktiven Studentin oder Akademikersperma, alles für 500 Euro – das versprach die Webseite studentenbaby.de. Mit dieser satirischen Aktion wollten Hamburger Studenten gegen Studiengebühren protestieren. – Nun ist es damit aber vorbei. Das Portal ist vor einigen Stunden offline gegangen.
„Sie träumen von einem Kind – Wir haben die Lösung!“ – Mit diesem Slogan präsentierte sich die Webseite und erzeugte helle Aufregung in der Öffentlichkeit. Eine Gruppe von Hamburger Studenten posierte nach dem Motto „Kind gegen Studiengebühr“ als angebliche Leihmütter und Samenspender. Unterstrichen wurde das mit dem Statement: „Wir schenken Leben. Schenken Sie Zukunft.“
Auch wenn das Ganze nicht der Realität entsprach, war die Webseite doch sehr professionell und glaubwürdig gestaltet. Die Studentinnen und Studenten stellten ihre Fotos rein, gaben ihre Blutgruppe an, Körpermaße und den Intelligenzquotienten. Zudem machten sie Angaben über ihre ethnische und soziale Herkunft. – Obendrauf gab es auch noch eine Qualitätsgarantie: „Studentenbaby.de garantiert eine reibungslose Kontaktvermittlung, professionelle medizinische Betreuung von Kunden und Studierenden und eine verantwortungsvolle Begleitung des Studentenbabys bis zu seiner Geburt.“
Jetzt ist alles vorbei. Folgende Begründung wurde auf Studentenbaby.de veröffentlicht: „Die von anderen Internetforen angefeuerte Diskussion hat eine Verselbstständigung erfahren. Konstruktive Gästebucheinträge werden von niveaulosen Beschimpfungen abgelöst. Die an der Aktion Beteiligten werden diskriminiert und ihnen wird mit strafrechtlicher Verfolgung gedroht und ihnen Unfurchtbarkeit, Misserfolg im Studium, höhere Studiengebühren gewünscht.“ (...) Weiter im Text heißt es: „Auf einem solchen Niveau ist studentenbaby.de nicht länger bereit einen relevanten, aber von einzelnen unzureichend reflektierten Diskurs zu führen. Der Versuch eine inhaltliche Diskussion anzustoßen ist aufgrund solcher Äußerungen nicht länger möglich.“
Am Ende stellt sich die Frage, ob die verantwortlichen Hamburger Studenten wirklich zu weit gegangen sind, und nun die Konsequenzen für ihr Handeln tragen müssen. – Sie selbst sagen, dass ihr, wenn auch inszeniertes Vorhaben, nicht so weit hergeholt sei. Tatsächlich gibt es vergleichbare Abläufe in den USA schon seit langer Zeit: Hier gibt es Unternehmen, die sich auf den Verkauf von studentischen Eizellen spezialisiert haben. Junge Frauen werden gezielt auf dem Campus angesprochen, und viele von ihnen ergreifen die „einmalige“ Chance, weil sie sich ihr Studium oftmals nicht finanzieren können. In Frankreich finanzieren sich mittlerweile an die 40.000 Studentinnen das Studium mit sexuellen Handlungen, und auch in England ist diese Form von Prostitution nichts Neues.
Ob man aber – wie im Falle von studentenbaby.de – zu solch drastischen Methoden greifen muss, um gegen Studiengebühren zu protestieren, ist fraglich. Vielleicht steht auch gerade deswegen am Ende der Ausführungen noch folgender Satz geschrieben: „Uns lag nichts ferner, als diese Menschen diskrimieren und kränken zu wollen. Wir entschuldigen uns bei all jenen, die durch unsere politische Satire eine solche ungewollte Verletzung erfahren haben.“
Wenn ihr die Statements nochmal genau nachlesen wollt, könnt ihr das auf einer kurzen Übersichtsseite unter
www.studentenbaby.de tun.