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Ludger Büter betreut studentische WGs

Specials: Er schlichtet jeden Streit

Ludger Büter betreut studentische WGs

[27.04.2010, kn] Der Diplom-Psychologe Ludger Büter arbeitet seit fast 30 Jahren mit Studierenden zusammen. Eigentlich in der psychosozialen Beratungsstelle des Kölner Studentenwerks. Nun hat er eine neue Mission. Als Mediator schlichtet er Streitigkeiten in studentischen Wohngemeinschaften. Wie er das macht und welche Erfahrungen er bisher machte, erzählt er uns im Interview.

STUDENTENPRESSE: Herr Büter, eigentlich arbeiten Sie als Diplom-Psychologe in der psychosozialen Beratungsstelle des Kölner Studentenwerks. Wie kamen Sie auf die Idee, WG-Streitigkeiten zu schlichen?

Ludger Büter: Die Kollegen der Abteilung „Studentisches Wohnen“ sahen die Zeit gekommen, jemanden für die Streitschlichtung bereitzustellen. Man sprach mich an, ob ich es machen wollte. Das war nach 30 Jahren Beratungsarbeit mit den Studenten eine neue Herausforderung, die ich gerne annahm.

Im Vorgriff auf die letzte Frage passt hierhin gut der Hinweis, dass ich gleichzeitig mit dem Aufbau von Wohnheimtutorien befasst bin. Hiermit haben andere Studienstandorte zum Teil einen Vorsprung von mehreren Jahren und berichten von guten bis sehr guten Erfahrungen damit. Wir verstehen beides, Mediation und Wohnheimtutorien, als Erweiterung unseres Dienstleistungsangebotes für die Studenten. Dabei hoffen wir, ihnen das Leben im Wohnheim etwas angenehmer zu gestalten und vor allem den ausländischen Gästen den Einstieg in ein ganz neues kulturelles Umfeld zu erleichtern.

STUDENTENPRESSE: Welche Streitigkeiten kommen am häufigsten vor?

Büter: Die häufigsten Anlässe für Streitigkeiten bestehen in Lärmbelästigung und mangelnder Hygiene. Natürlich geht es um Parties im großen oder kleinen Kreis, die viel zu lange dauern und Mitbewohnern den Schlaf rauben, den sie aber nicht nur im Hinblick auf Prüfungen und andere planmäßige Stressereignisse brauchen. Unordnung und Schmutz in den Gemeinschaftsräumen, also Küchen und Badezimmern/Duschräumen sind ebenso für Mitbewohner ein großes Ärgernis, besonders, wenn einzelne sich nicht an ausgewiesenen Putzplänen beteiligen, die dann insgesamt schnell untergehen, nach dem universellen Vergeltungsprinzip (Wie du mir, …). Daneben gibt es jede Menge anderer Streitebenen und Möglichkeiten, auch ehemals gute Beziehungen in feindselige umschlagen zu lassen: Sich bei den Lebensmitteln anderer im Kühlschrank bedienen, anzügliche Witze, Weitergabe/Missbrauch von eher intimen Informationen im Streit, üble Nachrede usw.

STUDENTENPRESSE: Was sind Ihre Lösungsansätze für einen WG-Streit?

Büter: Zunächst ist eine Bestandsaufnahme nötig. Das ist der heißeste und heikelste Teil der Bemühungen, denn hier tauschen die Mieter ihre Klagen und Vorwürfe aus. Das kann ziemlich lebendig werden. Durch unparteiliche Zusammenfassung von Erlebtem und beteiligten Gefühlen versucht man, zur Versachlichung beizutragen. Gelingt das zunächst nicht, weil man die Gesprächsregeln immer wieder missachtet (nur einer spricht, jeder spricht für sich, niemand beleidigt den anderen usw.), kann man die Konfliktparteien auch separieren und getrennt sprechen. Beginnen sich Vorwürfe zu wiederholen, fasst man sie zusammen und beendet deren Auflistung zugunsten der konstruktiven Perspektiven. Zu diesen gehört es, sich gegenseitig wahrzunehmen. Es ist sehr nützlich, die Konfliktparteien dazu anzuhalten, in eigenen Worten wiederzugeben, was sie vom anderen und seinem Problem oder Anliegen verstanden haben. Das führt einen Perspektivwechsel herbei und kann den anderen entspannen, wenn er sich vom Kontrahenten halbwegs korrekt wahrgenommen fühlt. Lässt das Aggressionspotential diesen lehrbuchmäßigen Schritt nicht recht zu, springt der Vermittler ein. Hier ist es wichtig, dass die Beteiligten Ich-Sätze formulieren und die berüchtigten Du-Sätze unterdrücken, die oft verletzen und manchmal so tödlich sein können wie Pistolenschüsse. Kompromisse kommen nicht um das herum, was unverrückbares Mietrecht ist. Es ist also nicht verhandelbar, ob man seine Mitbewohner achtmal oder viermal im Monat mit ausuferndem Partybetrieb auf Trab hält, das ganze Viertel beschallt, die Ruhezeiten in den Wind schlägt usw. Ein Kompromiss ist also im vorgesteckten Rahmen zu finden, was in der Regel durchaus möglich ist, weil niemand in einem Wohnheim darauf verzichten braucht, Musik zu hören, selbst zu musizieren, Freunde zu empfangen und seine Studienerfolge zu feiern.

STUDENTENPRESSE: In welchen WGs kommt häufig Streit auf, oder lässt sich das nicht pauschalisieren?

Büter: Streitigkeiten kommen in allen Wohngemeinschaften vor – so wie ja auch in allen Ehen und sonstigen Lebensgemeinschaften. Die bislang heftigsten Konflikte, darunter einige unlösbare, spielten sich in kleinen, d.h. Zweier-WGs ab. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass allein die räumliche Beschränkung es unmöglich macht, sich aus dem Weg zu gehen und die ungeliebten Kontakte zu vermeiden, was tief empfundener Abneigung natürlich Vorschub leistet. Hat ein WG-Mitglied alle anderen gegen sich, bittet der Mediator darum, aus der Gruppe einen zu bestimmen, der für alle spricht, damit es nicht zu einem Tribunal kommt.

STUDENTENPRESSE: Wie ist die Resonanz auf Ihr Projekt? Wie viele WGs haben Sie bisher beraten?

Büter: Im vergangenen Jahr hatte ich mehr als zwei Dutzend Kontakte, in diesem Jahr bislang nur wenige. Diese Möglichkeit Hilfe zu suchen ist nach so kurzer Zeit eben noch nicht allen bekannt. Nach den Erfahrungen aus anderen Hochschulorten werden die Tutoren in diesem Bereich Multiplikatoren sein.

STUDENTENPRESSE: Planen Sie in Zukunft weitere Projekte?

Büter: Der Auf- und Ausbau der Wohnheimtutorien ist das Projekt für die nächste und weitere Zukunft. Wir beginnen mit einer Anlage, die aus drei großen Häusern besteht, dann werden nach und nach die anderen größeren Häuser folgen. Es gab etliche Kollegen in anderen Städten, die unsere Pläne in der Vorbereitung sehr unterstützt haben durch ihre Hinweise, Erfahrungen und das Überlassen von Vertragsentwürfen, Postern usw. Dennoch muss man eigene Erfahrungen sammeln.
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