[21.01.2010,
kn] Klausuren-Zeit! Gut vorbereitet oder nicht, Spickzettel haben zurzeit wieder Hochsaison. Aus gegebenem Anlass machen wir mit euch einen kleinen Ausflug in die Zukunft des Spickens.
Der klassische Papier-Spicker war gestern! Heute spickt man à la James Bond. Dabei schummelt man auch nicht mehr. Nein, heute „cheatet“ man. Vom englischen „to cheat“ (betrügen, hintergehen) abgeleitet, wird dieser Begriff eigentlich im Zusammenhang mit Computerspielen verwendet. Damit ist eine Art Programm bzw. Spielehilfe gemeint, durch welche der Spielverlauf eines Games beeinflusst werden kann. Etwa das Überspringen von zu schweren Levels oder das Verschaffen unendlich vieler Leben.
Vor Kurzem wurde noch das Handy als Spickzettel diskutiert. Hier ließ sich so mancher Schüler und Student Examensfragen durch SMS beantworten oder googelte diese einfach. Alles veraltet! Die neue Generation der „Cheater“ greift jetzt auf kleine Miniempfänger im Ohr zurück, welche von außen nicht sichtbar sind. Mit einer batteriebetriebenen Leistung von 240 Minuten, einem externen Helfer oder auch voraufgezeichneten mp3-Files ist man dann für die nächste Klausur durchaus gut gewappnet! Was man bisher nur vom Geheimdienst und Sicherheitspersonal kannte, hält nun Einzug in Klassenräume und den Campus. Mission Impossible for students!
Wer auch einmal Tom Cruise oder James Bond spielen möchte, kann den High-Tech-Spicker ganz legal erwerben. Firmen wie edimaeg oder ExamEar bieten die Agenten-Technologie teilweise schon unter 200 Euro an. Mit eindeutigen Slogans wird geworben: „Helping students succeed! Worldwide!“ Vielleicht ist dieser einfältige Spruch von ExamEar der Grund, warum die Internetseite mittlerweile vom Netz genommen wurde. Im Google Cache oder auf
http://web.archive.org findet man allerdings noch einige Informationen. Hier finden wir heraus, dass die Seite wohl wegen „einiger moralischer Probleme“ nicht mehr existiert: „Due to...some moral issues we decided to temporary shut our website.“ Nicht verwunderlich! So hieß es auf der Website außerdem: „Our spy wireless earphones are great for students…(tests, exams, presentations, group projects, speeches)” und dann weiter: „No more breaking your head over a difficult tests or exam!” Isabel Nisbet von der britischen Prüfungsaufsicht QCA kommentierte gegenüber dem TELEGRAPH, die Art und Weise, wie dieses Produkt beworben wurde, sei „absolut schändlich“.
Und noch etwas ganz und gar Futuristisches: Das israelische Unternehmen Lumus hat eine transparente High-Tech-Brille entwickelt, in welcher ein Display integriert ist. Dieses ist für andere Menschen nicht sichtbar. Während der Brillenträger also mit seinem Gegenüber plauscht, kann er nebenbei Informationen, wie Texte, Bilder oder sogar Videos abrufen.
Wo führt das nur hin? Müssen jetzt Ohrenkontrollen vor jeder Klausur durchgeführt werden oder etwa Prüfungsräume von jeglichen Funksignalen abgeschirmt werden? Professorin Jean Underwood von der Nottingham Trent Universitiy berichtet dem TELEGRAPH jedenfalls, dass nur das Installieren entsprechender Technologie in den Prüfungsräumen „modernes Betrügen“ verhindern könne.
Naja, wollen wirs mal nicht so eng sehen! Viel Glück für die nächste Prüfung!
Bild: © hofschlaeger / PIXELIO